Periphere Nerven

Verletzungen von peripheren Nerven und insbesondere komplexe Verletzungen des Arm-Nerven-Geflechtes führen zu funktioneller schwerwiegender Beeinträchtigung des Patienten, welche oft das gesamte weitere Leben verändern können und mit unter auch mit chronischen Schmerzen verbunden sind. Es ist seit mehr als 100 Jahren bekannt, dass nach schwerer Schädigung von peripheren Nerven der peripher der Läsion gelegene Anteil einer Nervenfaser abgebaut wird. Vom zentral der Läsion gelegenen Nervenstumpf aus erfolgt die Aussprossung einer neuen Nervenfaser in den peripheren Nervenstumpf. Hat man nun keinen solchen zentralen Nervenstumpf mehr zur Verfügung, der zur Regeneration nötig ist, so kann man andere unverletzte Nerven dazu heranziehen. Das heißt jedoch deren Funktion zu opfern. Mittels eines relativ neuen mikrochirurgischen Verfahrens kann unter bestimmten Bedingungen die Funktion des Spendernervs erhalten werden. Es wird der periphere Nervenstumpf des geschädigten Nervs an die Seite eines funktionierenden Nervs “genäht”. Die Nervenfaser des gesunden Nervs sprossen nun in den peripheren Nervenstumpf ein und reanimieren so wieder die ursprüngliche Funktion. Ein Nerv steuert nun zwei Funktionen. Diese bestimmten Bedingungen unter denen so eine Wiederherstellung funktioniert wurde im LBi für Traumatologie im Tierexperiment definiert und nachgewiesen. Diese Erkenntnisse wurden nun bereits in klinische Anwendungen umgesetzt; sodass davon bereits Patienten mit schwersten Nervenverletzungen profitieren können.
Wir sind derzeit der Frage auf der Spur wie das Gehirn, von dem primär die Steuerungssignale ausgehen, zwei unterschiedliche Funktionen via einen einzelnen Nerv dirigieren kann. Es wurde zum Beispiel bei einer nicht wiederherstellbaren Verletzung des Nervs für die Ellbogenbeugung der “Atmungsnerv” als Nervenfaserspender in der genannten Technik herangezogen. Diese Patienten haben keine Einschränkung der Atmung und können unabhängig davon den Ellbogen beugen. Das Zentrum im Gehirn für diesen Atemmuskel steuert nun auch die Beugung des Ellbogens. Mit dem funktionellen MRT konnten wir im Gehirn funktionelle Umorganisationen von Nerven-Netzwerken zeigen. Jenes Zentrum im Gehirn, welche für die Ellenbogengelenksbeugung zuständig ist hat sich funktionell mit dem Zentrum des speziellen Atemmuskels verknüpft und dirigiert auf diese Weise zwei Funktionen über einen einzelnen Nerv. Eine außergewöhnliche Leistung des Gehirns mit vielen neuen Fragen

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